
Thomas Gruber, 1960 geboren, ist Inhaber einer Werbeagentur und weiß, wie sich Träume anfühlen und wie sie Wirklichkeit werden. Als Mann musste er nichts, aber auch gar nichts erfinden.
Interview mit Thomas Gruber
"Ich denke an den James Bond in jedem von uns."
- Thomas Gruber – würdest du dich als echten Helden bezeichnen? Falls ja, wann hattest du das Gefühl, jetzt hab ich’s geschafft?
- In unserem tiefsten Innern sind wir doch alle waschechte Titanen, oder? Man muss ja nicht unbedingt einen Airbus über den Hudson River schaukeln, um als Held durchzugehen. Ich fühle mich als Held, seitdem ich mir meinen eigenen Reim auf die Welt mache. In meiner Familie wurde von morgens bis abends darüber spekuliert, was die anderen über einen denken – anstatt sich zu fragen, was man selber will. Irgendwann dachte ich: Leckt mich, ab sofort konzentrier ich mich auf das, was mir vorschwebt. Man fühlt sich unglaublich tapfer, wenn man auf seine eigene Stimme hört. Und ich finde: zu Recht. OK, es ist ziemlich schwer, den jugendlichen Revoluzzer in uns ins Erwachsenenalter rüberzuretten. Aber das ist nicht das Problem, Männer, sondern die Aufgabe.
- Was macht deiner Meinung nach einen echten Helden aus?
- Es geht darum, der Angst vor der eigenen Courage einen Tritt zu verpassen. Helden sind Männer mit einem klaren Auftrag: jeden Tag ein Stück mehr mit sich selber ins Reine kommen. Der Weg dorthin: zu seinen Überzeugungen stehen, eigene Schwächen akzeptieren und seine geheimen Wünsche mit einer handfesten Umsetzungsstrategie anpacken. Konkretisieren statt Kompensieren! Uns Männern fällt es im Unterschied zu Frauen unglaublich schwer, den ersten Schritt zu tun, Fakten zu schaffen. Echte Helden sind Männer, die sich einen Teufel um die Theorie scheren. Echte Helden sind Männer, die Wege gefunden haben, ihren Perfektionsdrang zu überlisten. Männer, die sich ohne Wenn und Aber der Praxis stellen.
- An wen denkst du, wenn du vom echten Helden sprichst? Gab es Inspirationsquellen für dein Buch, und wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen?
- Ich denke an den James Bond in jedem von uns. Wir Männer gelten als Wesen mit einer sehr überschaubaren Bedürfnisstruktur. Angeblich brauchen wir nicht mehr als einen langweiligen Job, einen voll geschlagenen Bauch, genügend Bier im Kühlschrank und eine Dauerkarte unseres Lieblingsvereins, um ein ausgefülltes Leben zu führen. Wenn wir träumen, dann bestenfalls von einer Nacht mit Pamela Anderson. Die meisten Frauen halten uns für ziemlich arme Kreaturen. Ohne Gefühle. Ohne großes Innenleben. Ohne Sehnsüchte. Für einen Haufen langweiliger Säcke. Aber das ist Humbug. Ich habe über die Jahre Einblick in die Gefühlswelt von Hunderten von Männern bekommen. Darunter war kein einziger, in dem nicht ein echter Cowboy gesteckt hätte! Kein einziger, der nicht davon geträumt hätte, etwas Freiheit und Abenteuer in seinen drögen Alltag zu bringen. Sein ureigenes Ding durchzuziehen. Die Gefühle sind da. Und an Power mangelt es in der Regel auch nicht. Viele von uns haben nur Schwierigkeiten, diesen verdammten ersten Schritt zu tun. Damit zu beginnen, etwas tatsächlich auf den Weg zu bringen. Mein Buch soll dabei helfen, diese Hemmschwelle zu überwinden. Wäre doch schade, wenn wir ein ödes und fremdgesteuertes Leben führen würden – nur weil es mit der Initialzündung nicht klappen will.
- Dein ganz persönlicher Heldentraum – hast du dir den schon erfüllt und wenn ja, wie?
- Ich habe immer davon geträumt, mein eigener Chef zu sein. Aber es hat eine ganze Weile gedauert, bis die Selbstständigkeit funktioniert hat. Wer seinen eigenen Weg gehen will, muss lernen, Rückschläge als Ermunterung zu betrachten. Ich habe nach dem Studium zehn Jahre lang versucht, mit der Schriftstellerei mein Geld zu verdienen. Irgendwann musste ich einsehen, dass ich mich in einer Sackgasse befand. Also habe ich die Sache mit der Literatur hingeschmissen und bin in die Werbung gegangen. Die ersten Jahre als angestellter Werbetexter waren die Hölle. Cholerische Chefs, überambitionierte Kollegen und eine Arbeitsatmosphäre, dass es der Sau graust. Aber ich brauchte die Erfahrung. Ohne Erfahrung ist es schwer, dein eigenes Ding zu machen. Inzwischen bin ich Mitinhaber einer kleinen Werbeagentur in Mannheim. Ich kann selber Einfluss darauf nehmen, wie wir miteinander umgehen und mit welcher Strategie wir unser Geschäft machen. Wir Männer haben viele Träume. Ich habe mir als nächstes in den Kopf gesetzt, einen Bestseller zu schreiben. Schaun wir mal ... Und mit dem 928er hat es bislang auch nicht geklappt, obwohl der Originalprospekt aus den Siebzigern schon seit über einem Jahr auf meinem Schreibtisch liegt.
- Vom Komponieren eines Welthits über die Polarexpedition bis zum Aufreißen eines Bond-Girls – selbst die wildesten Träume lassen sich nach deinem Buch erfüllen. Gibt es etwas, wovor du Halt machen bzw. anderen abraten würdest?
- Eine Nacht mit einem Hollywoodstar. Ehe man sich's versieht, steht man vor dem Traualtar. Und nach allem, was man so hört, ist das Leben im Schlepptau einer Filmdiva nur selten ein Zuckerschlecken.
- Dein Buch zielt nicht nur auf den Traum eines echten Helden, sondern auch eines echten Mannes. Ist dies ein Plädoyer für „Ein-bisschen-mehr-Mann-schadet-nicht“ in der heutigen geschlechterverworrenen Zeit?
- An einer Stelle des Buchs rufe ich alle echten Kerle dazu auf, gemeinsam ein Manifest zur Emanzipation des Mannes zu verfassen. Dies mag wie ein gut gemeinter Witz klingen, hat aber einen ernsten Hintergrund. Wenn ich auf mein Umfeld blicke, sehe ich lauter Männer, die sich von ihren Frauen im Alltag zum Deppen machen lassen. Da gehören natürlich immer zwei dazu. Wenn wir Männer uns den Anzug kaufen lassen, uns bei der Urlaubsplanung ausklinken und es uns wurscht ist, aus welchem Holz der neue Wohnzimmertisch geschnitzt ist, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir am Ende auch wie Trottel behandelt werden. Männer neigen dazu, aus Bequemlichkeit zu allem Ja und Amen zu sagen. Zu einem echten Kerl gehört es, auch zur Farbe seiner Krawatte eine Meinung zu haben – und diese Meinung auch gegenüber seiner Frau zu vertreten.
Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Ute Meisel.


